Lerngymnastikübungen für Konzentration und Aufmerksamkeit.


"Was sind Lernschnuppen" von Christiane Hohberg - Co-Autorin der Montessori-Fibel
Lernen ist eine angeborene Fähigkeit und ein lebenslanger Prozess, der möglichst mit Freude verknüpft sein sollte, um nachhaltig zu sein. Aus verschiedensten Gründen, v.a. unter Stress, können Lernblockaden entstehen, die dazu führen, dass das eigentliche Potenzial nicht mehr ausgeschöpft werden kann. In der Folge führt dies zu Lernunlust, Konzentrationsschwierigkeiten, mangelnden Erfolgserlebnissen und vielem mehr.
Damit die Kinder immer wieder ausgeglichen, entspannt und freudig an die Arbeit gehen können, gibt es in unserer „Montessori-Fibel“ verschiedene „Lernschnuppen“. Diese leichten Bewegungsübungen bringen die Kinder stets in einen körperlichen und geistigen Zustand, der leichtes Lernen möglich macht. Somit erleben und fördern sie ihre Selbstwirksamkeit, denn sie selbst können sich aus angespannten oder lustlosen Zuständen herausholen. Dies gelingt ganz nach dem Montessori-Prinzip: „Hilf mir, es selbst zu tun.“
Die „Lernschnuppenübungen“ sind „Lerngymnastikübungen“ aus der Edu-Kinesthetik. Dr. Paul Dennison hat in den 80er-Jahren in den USA durch seine Arbeit als Pädagoge erkannt, dass Lernen kein isolierter Vorgang im Gehirn ist, sondern ein ganzkörperlicher Prozess. Zudem hat er festgestellt, dass Teilbereiche des Gehirns abschalten, wenn Lernen mit Stress gekoppelt ist.
Aus diesem Grund hat er die sog. „brain-gym“- Übungen entwickelt, die „Lernen durch Bewegung“ bedeuten. Paul Dennison war der Meinung: „Bewegung ist das Tor zum Lernen.“
Diese Bewegungsübungen schaffen Lernvoraussetzungen, die den Körper und das Gehirn aufnahmefähig machen. Aus der Montessoripädagogik wissen wir, wie wichtig das Lernen über die Sinne ist. Wir wissen, dass einem geistigen „Begreifen“ bestenfalls ein tatsächliches Begreifen mit den Händen, ein Erleben mit Gefühlen und ein Erfahren durch eigenes Tätigsein vorausgeht, um nachhaltig zu sein. Dazu benötige ich aber auch wache Sinne, eine angstfreie, entspannte, wache, innere Haltung und ein aufnahmefähiges Gehirn. Die brain-gym-Übungen unterstützen all dies auf einfache und effektvolle Weise. In der Montessori-Fibel werden einige „Lerngymnastikübungen“ vorgestellt, die unterschiedliche Unterstützung bieten. Diese „Lernschnuppen“ nehmen so breiten Raum in der Fibel ein, weil die Kinder sie immer wieder fokussieren und anwenden sollen, damit sie ihre Selbstwirksamkeit schulen. In der Fibel sind die „Lernschnuppen“ so platziert, dass sie die jeweils dargestellte Situation unterstützen sollen.
Wir stellen Euch hier 3 Lernschnuppen vor, die Ihr Euren Kindern zeigen könnt. Die Fotos stammen aus der Montessori-Fibel mit Illustrationen von Elena Buono.

Ohrenaktivierung: Glyxi will konzentriert hören können
Wie geht's?
Ich halte mit Zeige- und Mittelfinger die Ohrmuschel und streiche mit dem Daumen das Ohr sanft von innen nach außen aus. Ich beginne oben am Ohr und streiche sanft abwärts bis zum Ohrläppchen. Ich kann diese Ohrmassage gleichzeitig an beiden Ohren ausführen. Ich wiederhole die Übung ca. 3 mal.
Die Wirkung der Übung
In allen Situationen, in denen fokussiertes Zuhören wichtig ist, z.B. im Unterricht oder bei Vorträgen ist diese Übung hilfreich. Sie aktiviert den Gehörsinn, sodass das Gehörte besser aufgenommen und verstanden werden kann. Die auditive Aufmerksamkeit wird verbessert, d.h. fokussiertes Zuhören ohne ablenkende Geräusche ist möglich. Insgesamt wird das Fokussieren der Aufmerksamkeit verbessert sowie das Gleichgewicht, die Atmung und die Energieversorgung. Diese Übung erweitert das Hörvermögen und das periphere Sehen.

Thymusdrüse klopfen: Glyxi ist unsicher und will sich Mut machen
Wie geht's?
Ich klopfe mit den Fingern einer Hand die Thymusdrüse (in der Mitte auf das Brustbein). Ich kann als Unterstützung auch stärkende Sätze aussprechen oder denken. zB. „Ich schaff das!“, „Ich bin gut, so wie ich bin!“usw.
Die Wirkung der Übung
Durch das Klopfen der Thymusdrüse kann sie aktiviert werden. Neben ihrer körperlichen Funktion T-Zellen für die gesunde Immunabwehr zu bilden, kann sie auch die Energie und Lebensfreude erhöhen.

Überkreuzbewegung: Glyxi will konzentriert und leicht schreiben lernen
Wie geht's?
Ich hebe das rechte Bein und berühre mit der linken Hand das rechte Knie. Dann hebe ich das linke Bein und berühre mit der rechten Hand das linke Knie. Das wiederhole ich einige Male. Ich überquere dabei meine Körpermittellinie. Ich kann anstelle der Hand auch den Ellbogen nehmen, um rhythmisch das gegenüberliegende Knie zu berühren.
Die Wirkung der Übung
Durch die Überkreuzbewegung wird die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften aktiviert. Es wird die visuelle, auditive, kinästhetische und taktile Mittellinie überquert. Dadurch ist eine bessere räumliche Wahrnehmung möglich. Fokussiertes Zuhören und die Aufmerksamkeitsfähigkeit werden verbessert. Lesen und Leseverständnis, Zuhören, Rechtschreibung und Schreiben werden unterstützt.


